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Platons "Apologie"

Beginn:
28. April 2018, 14:30 Uhr
Ende:
28. April 2018, 17:30 Uhr
Preis:
40,00 EUR (inkl. MwSt.)
Ort:
Bürgermeister-Lauckstr. 9, 65439 Flörsheim am Main
Level:
"Proseminar"-Ebene
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Beschreibung

Platon "Apologie", Sokrates' "Marktgang" (20 B - 23 E); 1. Rede

Im "Symposion"-Workshop sahen wir, dass der sog. "platonische Erós" nicht unmittelbar auf den Mit-Menschen, sondern auf die Schau der göttlichen Ideen abzielt. Weise ist, wer die Erkenntnis der wahren Tugenden erstrebt und sein Leben danach ein- bzw. ausrichtet. Ein Weiser lebt sein Leben unter der Führung eines tugendhaften "ethós", während die Vielen (hoi polloi) bald dieses, bald jenes für das Tugendhafte erachten und in ihrer Unkenntnis Betrunkenen gleich durchs Leben taumeln.

Die Rahmenhandlung der 1. Rede der "Apologie" ist schnell erzählt: Sokrates' absolute Unart war es, über die agorá zu schlendern und bald diesen bald jenen Athener zu unterschiedlichen Themen zu befragen. So machte er es auch bezüglich des rätselhaften Orakelspruches der Pythia zu Delphi, keiner sei weiser als Sokrates. Um dieses Rätsel zu lösen und zu widerlegen, befragte er nun bei seinem "Marktgang" zunächst einen ausgewiesenen Weisen, einen Staatsmann, sodann die Dichter, danach befragte Sokrates die Handwerker und so in einem fort. Das wäre jetzt noch nicht dramatisch gewesen. Aber Sokrates schaffte es, dass der Staatsmann sich selbst eingestehen musste, dass er bis dato zwar glaubte, weise zu sein, in Wahrheit jedoch unwissend war. Wie ihm erging es auch den befragten Dichtern, Handwerkern sowie Rednern, Rhetoren, Sophisten. Das konnte nicht allzu lange gut gehen. Und auch Sokrates verpürte im Laufe der Jahre den zunehmenden Groll und Hass der Befragten gegen ihn. Allein, es galt dem Auftrage Apollons gehorsam zu sein und den Orakelspruch der Pythia zu lösen. So kam es — Sokrates war inzwischen schon etwas über 70 Jahre alt und hatte für die damalige Zeit schon zwei Leben gelebt — dass Teile des Athener Adels sowie andere Freie dieser Polis durch Sokrates' Maieutik so sehr verärgert waren, dass sie beschlossen, den "weisesten Athener" mittels eines fingierten Schau-Prozesses aus dem Weg zu räumen. Athen befand sich seit Jahrzehnten in einer Umbruchs-Phase (u.a. Peloponnesische Kriege zwischen Sparta und Athen 475-445 sowie 431-404 v.Chr.; Rat der Vierhundert 411/410 v. Chr. sowie die "Herrschaft der Dreißig", 404 v. Chr.) und es war usus, unliebsame Athener mittels Schau-Prozessen zu "eliminieren". Die Anklage des Meletos et al. beschuldigte Sokrates der "Asebie", oder anders gesagt, Sokrates verführe die Athener Jugend zur Gottlosigkeit, weil er nicht an die Götter glaube, woran der Staat glaubt, sondern an ein neues Dämonisches. Jeder jedoch, der Sokrates persönlich kannte, wusste, dass dieser sowohl unter dem besonderen Schutz des Apollon stand, als auch, dass Sokrates' "Daimon" / "Daimonion" ihn stets davor warnte, das Falsche zu tun. Die Anklage war — damals wie heute — eine reine Farce, jedoch gültig. Also fand sich Sokrates vor dem "Rat der 500" ein und widerlegte in freier Rede jeden einzelnen Anklagepunkt sowie jedes einzelne Argument. Als Gründer der Maieutik war ihm einfach nicht beizukommen. Bis auf wenige Stimmen — nach Platon 30 — überzeugte Sokrates seine Richter von seiner Unschuld. Jedoch, wie heute beim "Brexit" und bei "Trump", stand es zuletzt 281 zu 220 abgegebenen Stimmen. Nicht für die Freiheit, sondern für Sokrates' Tod. Dieser sollte durch den "Schierlingsbecher" herbeigeführt werden. Sokrates akzeptierte den von Menschen über ihn verhängten Justiz-Mord. Er selbst wusste sich ja unschuldig. Aber die "Athenischen Gesetze", die "nomoi", zu verletzen, das wollte und konnte er nicht, da sie gemäß seiner Überzeugung göttlicher Natur waren. Also ging der "weiseste Athener" ins Gefängnis, blieb dort seinem Schutz-Gott Apollon sowie seinem "Daimon" treu und führte — bis in den Todes-Augenblick hinein — ein wahrhaft tugendhaftes Leben.

Platon zeichnet in "Sokrates" somit den "Prototyp" eines wahrhaft tugendhaft lebenden Menschen, der durch die Jahrtausende hindurch bis zum heutigen Tag seine Glaubwürdigkeit sowie Gültigkeit behält. Aus einem anderen kulturellen Hintergrund werden dies ca. 450 Jahre später die ersten "christlichen Märtyrer" sein; in jüngerer Zeit Menschen wie etwa Maximilian Kolbe oder Dietrich Bonhoeffer, in jüngster Zeit jedoch all jene, meist namenlosen Opfer, die lautlos und spurlos in den Folter-Gefängnissen von "Demokratien", "Gelenkten Demokratien" sowie Diktaturen verschwinden und dort ermordet werden. Das sie Verbindende eint.

 

Wir lesen in der "Apologie" die Szene des "Marktganges" (20 B - 23 E) in den Reclam-Ausgaben von Friedrich Schleiermacher und Manfred Fuhrmann

Bestellungsmöglichkeiten:
Platon "Apologie und Kriton" ISBN 978-3-15-000895-9
Platon "Apologie und Kriton" Griechisch / Deutsch (Hg. M. Fuhrmann) ISBN 978-3-15-008315-4


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