Drucken

Platons "Apologie" & "Kriton"

Beginn:
10. Juni 2018, 14:00 Uhr
Ende:
10. Juni 2018, 17:00 Uhr
Preis:
40,00 EUR (inkl. MwSt.)
Ort:
Bürgermeister-Lauckstr. 9, 65439 Flörsheim am Main
Level:
"Proseminar"-Ebene
Diesen Kurs buchen

Beschreibung

Platon "Kriton" (43 A - 54 E)

Rückblick: In der "Apologie" sahen wir die drei "Verteidigungsreden" des Sokrates' vor dem "Rat der 500". In Kürze zusammengefasst kennzeichnet die Rahmenhandlung der 1. Verteidigungs-Rede die Vorgeschichte, sodann wie es durch Meletos et al. zur Anklage gegen Sokrates kam, ferner deren Widerlegung. In der zweiten Rede, Sokrates ist inzwischen verurteilt worden, fragt dieser nach seinem "Verdienst" bzw. nach anderen Möglichkeiten seiner Bestrafung, etwa Geldstrafe, Verbannung, etc.pp. . Und schließt sie selbst als Alternativen aus. Die 3. Verteidigungsrede changiert zwischen dem vermeintlichen Übel des Urteils und dem wahrhaft Guten, was hieraus folgen könnte. Sokrates erörtert vor dem "Rat" die Frage, ob Totsein einem empfindungslosen Tiefschlaf gleicht, oder ob es sich doch so verhält, wie es in der alten Sage heißt, dass die Seele sich an einen anderen Ort begebe, wo er, Sokrates, die Heroen und Weisen der Vorzeit zu treffen vermöge, sich mit diesen besprechen und diese wie die Athener befragen und prüfen dürfe. Das jedoch wäre ein unsagbares Glück [41 C]. Für den Weisen birgt selbst der Schicksalsschlag des Todesurteils folglich eine Chance des höchsten Glücks. Der Schluss-Akkord der "Apologie" verweist somit in die Argumentation des "Phaidon"-Dialoges.

Der "Kriton"-Dialog zeichnet indes ein anderes Bild: Bereits in der Morgendämmerung des Vortages, an dem das Todesurteil an Sokrates vollstreckt werden soll, besucht Kriton, ein alter Weggefährte und treuer Freund des Sokrates, diesen im Gefängnis. In wechselseitiger Rede erörtert Sokrates mit Kriton, warum er im Gefängnis bleiben werde, obschon es doch ein Leichtes wäre, durch Bestechung der Beamten zu fliehen. Kriton argumentiert für die Flucht — selbst dann, wenn die Sykophanten (gewerbsmäßige Denunzianten) ihn und andere in ruinöse Prozesse verstricken sollten. Es ist die Meinung und die Haltung der Menge, der Vielen (hoi polloi). Sokrates jedoch zeigt auf, dass, sofern er fliehen würde, er ein Unrecht am Staat und seinen Gesetzen begehen werde. Hebt ein Privatmann jedoch die Gesetze, die nomoi, nach eigenem Ermessen auf, so stürzt alsbald die öffentliche Ordnung der Polis in sich zusammen. Die Folge hiervon ist Unregierbarkeit des Gemeinwesens, ist Anarchie. Aber auch das gibt Sokrates zu bedenken: Niemals kann aus Unrecht Recht und aus Übel etwas Gutes entstehen. Es ist daher besser, Unrecht von der Menge zu erleiden, als selbst aktiv Unrecht zu begehen. Im Ausklang seiner Rede lässt Sokrates die athenischen Gesetze gleichsam selbst zu Worte kommen. Sie ähneln darin seinem persönlichen Daimonion, indem sie ihm vor Augen führen, was alles geschehen werde, wenn er das Falsche erwählt, Kriton zustimmt und flieht. Und alles, was Kriton zuvor an Einwänden vorgebracht hatte, verkehrt sich nun, an dieser Stelle des Gespräches, in dessen eigenes Gegenteil: Was anfangs löblich erschien, wird nun schändlich; was gut zu sein schien, das wird nun schlecht; und was von Kriton als gerecht erachtet wurde, das wird nun frevelhaft, ein Übel. Der Ergriffenheit des Sokrates durch die athenischen Gesetze hat Kriton nichts mehr entgegenzusetzen und fügt sich in das, was nun kommen wird. Dieser Enthusiasmus des Sokrates weist einerseits zurück in den "Diotima"-Dialog des Symposions. Andererseits weisen das "Symposion" zusammen mit der "Apologie" und "Kriton" über sich hinaus auf den vierten, den platonisch weitaus wichtigeren Dialog, "Phaidon", worin in literarischer Form die letzten Stunden des Sokrates sowie sein Tod beschrieben werden.

Die Fragen, die die "Apologie" und "Kriton" an uns heute stellen, lauten etwa: Handele ich nur dann ethisch, wenn ich weiß, dass ich kontrolliert und beobachtet werde? Oder ist eigentlich ethisches Handeln im Ausgestalten von Tugenden grundgelegt...? Es ist zudem Kants "2. Grundfrage" die Ethik betreffend: "Was soll ich tun?" (Kant "Logik, Ein Handbuch zu Vorlesungen", Gottlob Benjamin Jäsche, Friedrich Nicolovius [Hg.], 1800, S. 25)

 

Wir lesen die zentralen Stellen der "Apologie" sowie "Kriton" in den Reclam-Ausgaben von Friedrich Schleiermacher und Manfred Fuhrmann

Bestellungsmöglichkeiten:
Platon "Kriton" ISBN 978-3-15-000895-9 
Platon "Kriton" Griechisch / Deutsch (Hg. M. Fuhrmann) ISBN 978-3-15-008315-4


Einzelpreis

Teilnehmerdaten

Rechnungsadresse

Ich akzeptiere die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Ich stimme zu, dass meine Angaben zur Kontaktaufnahme und für Rückfragen dauerhaft gespeichert werden. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per Mail an kontakt@praxis-gnothi-seauton.de widerrufen. *

* notwendige Angaben

Copyright ©2018 Philosophische Praxis gnōthi seautón. Alle Rechte vorbehalten.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.