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Platons "Phaidon"

Beginn:
23. September 2018, 14:00 Uhr
Ende:
23. September 2018, 17:00 Uhr
Preis:
40,00 EUR (inkl. MwSt.)
Ort:
Bürgermeister-Lauckstr. 9, 65439 Flörsheim am Main
Level:
"Proseminar"-Ebene
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Beschreibung

Platon "Phaidon", von der Unsterblichkeit der Seele und ob diese nach dem Tode noch Erkenntnisvemögen hat

Die Struktur des Dialoges ist schnell skizziert: Im Vorgespräch berichtet Phaidon von Elis, einer der Lieblingsschüler des Sokrates und am Todestag bei diesem im Gefängnis, seinem Gastfreund Echekrates in Phlius (Phleius), was sich rund um die Verhandlung sowie die Verurteilung des Sokrates zugetragen hat und welcher Art die Gespräche am Todestag waren. Da Athen und Phlius seit den Peloponnesischen Kriegen zerstritten sind (Phlius ist von Sparta besetzt), und kaum noch Nachrichten ausgetauscht werden können, möchte Echekrates nun von Phaidon Genaueres zu diesen Vorgängen erfahren. Das Hauptgespräch (Kapitel 3-67) umfasst als wichtigste Bestandteile die "Drei Beweise", besser: drei Aufweise, für die Unsterblichkeit der Seele und dass diese nach dem biologischen Tod des Körpers noch Erkenntnis-Vermögen hat.

Der erste Aufweis (Kap. 15-22; 70 C - 77 A) ist zweigegliedert und befasst sich zunächst mit der Postexistenz der Seele. Sokrates greift auf einen pythagoräischen Mythos (palaios logos) zurück: dem Entstehen aus dem Gegenteil sowie dem zweifachen Werden in den Übergängen (Kap. 15-17). Hieran schließt Sokrates den ersten Aufweis der Präexistenz der Seele an, welcher besagt: Lernen ist Wiedererinnerung der Seele an vormals Geschautes; die sog. "Anamnäsis"-Lehre (Kap. 18-22).

Im zweiten Aufweis (Kap. 25-48; 78 B - 100 A) greift Sokrates in seiner "Beweisführung" zur Postexistenz der Seele, den sog. "Homoiologein"-Gedanken auf, der die Gleichheit und Ähnlichkeit betrifft. Verkürzt: Nur Gleiches vermag Gleiches zu erkennen, da es wesensverwandt ist. Die Seele gleicht eher dem Führenden, dem Eingestaltigen, dem Göttlichen, dem Unsterblichen, dem Unauflöslichen und immer sich völlig Gleichbleibenden (Kap. 25-34). Sie ist ihrer Art nach den Wesenheiten an-sich, den Ideen, dem eigentlichen Sein am ähnlichsten. Deshalb zieht sie nach dem Tode, wenn der Leib sich in Körper und Seele scheidet, zu dem ihr Ähnlichen: dem Göttlichen, dem Unsterblichen und Unvergänglichen. Der Körper bzw. der Leib jedoch gleicht dem Menschlichen, dem Vergänglichen und damit dem Sterblichen, dem Vielgestaltigen, dem Zusammengesetzten und deshalb dem Auflöslichen, dem niemals sich selbst Gleichbleibenden. Er ist der Art nach den sinnlich sichtbaren Dingen ähnlich, diese bleiben weder sich selbst noch untereinander jemals gleich, da sie ständigem Wandel unterliegen. Die beiden Pythagoräer Simmias und Kebes hegen ihre Zweifel am Gesagten und werden von Sokrates widerlegt (Kap. 34-48).

Hieran schließt sich der dritte und wichtigste Aufweis zur Postexistenz der Seele: der sog. "Methexis"-Gedanke (Kap. 50-56; 102 A/B - 107 B), der stark verkürzt besagt, dass die Seele Anteil hat (met-hexis) am Göttlichen bzw. an den göttlichen Ideen — diese sind sowohl unsterblich als auch unvergänglich — und weil dies wesensmäßig so ist, ist die Seele unsterblich und unvergänglich und besitzt auch nach dem Tode noch Erkenntnis-Vermögen. Somit wird einsichtig, warum die Menschen im Allgemeinen und die Philosophen im Besonderen der Pflege der Seele nachkommen sollen. Denn von der Beschaffenheit der Seele, von ihrem "Zustand", hängt nach dem Tode ihr weiteres, das persönliche Schicksal ab. Danach greift Platon-Sokrates noch einmal auf den Mythos zurück, wenn er die Stätten schildert, an denen sich die Verstorbenen aufhalten. Die Kapitel des Schlussteils (Kap. 57-67) befassen sich u.a. mit dem orphisch-pythagoräischen Mythos der Seelenwanderung (Kap. 57), der platonischen Betrachtung der Erde in Abhebung von Thales und Pythagoras (Kap.58), dem eigenen (sokratisch-platonischen) Erd-Mythos (Kap. 59) mit der genaueren Beschreibung der eigentlichen Erde (Urschlund des Tartaros) und ihren Flußläufen (Okeanos, Acheron [Ort der verstorbenen Seelen], Pyriphlegethon und Kokytos; Kap. 61), sowie in Kap. 62 die genauere Beschreibung der Seelen-Wanderung mit Richterspruch, der Abstufung von Lohn und Strafen sowie der entsprechenden Zuweisung des Ortes nach dem Tode: die Seelen, die eine mittelmäßige Lebensführung pflegten, gelangen an den Acheron, wo sie sich reinigen und ihre Verfehlungen büßen; sie werden erlöst. Die Seelen der Mörder und Frevler jedoch werden in den Tartaros gestürzt, wo sie einmal im Jahr die Chance erhalten, die Vergebung der von ihnen Ermordeten bzw. Gefrevelten zu erflehen. Gelingt es ihnen, werden sie ihrer Leiden ledig; wo nicht, beginnt der Kreislauf erneut. Diejenigen Seelen aber, deren Lebensführung von den Richtern der Unterwelt als ganz besonders fromm erachtet werden, nehmen für alle künftigen Zeiten ganz körperlos ihre Wohnung in einer "reinen Behausung", in Wohnstätten, deren Schönheit Sokrates in der Kürze der verbleibenden Zeit nicht zu beschreiben vermag.

Kapitel 63 fungiert einerseits als Bindeglied zwischen dem bisherigen (pythagoräischen) Mythos der Seelenwanderung hin zum logosbegründeten, sokratisch-platonischen Mythos der Unsterblichkeit der Seele. Es ist sozusagen jene Stelle im Gesamtwerk Platons, von dem es heißt: Vom Mythos zum Logos, als es andererseits innerhalb des Phaidon-Dialoges die Gespräche nun beendet und in die anstehenden Handlungen überleitet. Kapitel 64 und 65 befassen sich u.a. mit Sokrates' letzten Wünschen, dem Abschied von seiner Frau und den Söhnen, den Frauen seiner Verwandtschaft sowie dem Diener der Elfmänner, der ihm den Schierlingsbecher reichen wird.

Kapitel 66 beschreibt u.a. die emotionale Verfassung, in der sich die verbliebenen Anwesenden befinden — die Freunde des Sokrates, die weinen; Sokrates selbst, der jedoch angesichts des eigenen Todes unerschütterlich bleibt —, das Austrinken des Giftbechers, Sokrates' Sterben sowie seinen Tod.

Das letzte Wort gebührt jedoch erneut Phaidon selbst, der seinen Lehrer Sokrates gegenüber Echekrates als den besten, den einsichtigstens und gerechtesten überhaupt unter den Zeitgenossen, die sie selbst kennengelernt haben, preist (Kap. 67). Literarisch gleicht dieser Kunstgriff Platons einer "Binnenhandlung" innerhalb der Rahmenhandlung der Erzählung des Phaidon an Echekrates.

 

Wir lesen die zentralen Stellen des "Phaidon" (die drei Aufweise der Unsterblichkeit der Seele) in den Reclam-Ausgaben von Friedrich Schleiermacher.

Bestellungsmöglichkeit:
Platon "Phaidon" ISBN 978-3-15-000918-5


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