Worte wie Sterne

Das philosophische Langzeit-Projekt "Worte wie Sterne"

Am Ende der Anfang: "In den Gärten der Wissenschaft" (Titel eines Werkes von al Biruni, 973-1048 n. Chr., persischer Universalgelehrter), d.h. in den philosophischen Bibliotheken dieser Welt sowie im Digital-Universum des Internets lagern unzählige Weisheits-Worte, die wie Sterne in unser alltägliches Leben ausstrahlen und dieses erhellen können. Sie können uns Lebens-"Wege" aufzeigen und gleichzeitig existentielles "Geleit" sein. Wie seinerzeit die Gold-Nuggets am Klondike (ab 1896ff.), gilt es heute diese "Goldenen Worte" erneut einzusammeln; wie weiland in Namibia (1908ff.) gilt es heute diese "Diamanten" aufzulesen. "Tolle et lege!" (Nimm und lies!), wie es bei Augustinus ("Confessiones", Buch VIII 12,29) heißt. Ich lade Sie ein, am Lebens-Sinn-Abenteuer der Wort-Lese aktiv teilzunehmen. Denn eigentlich reich werden wir erst durch jene "Gold-Nuggets" und "Diamanten", die wir nie mehr verlieren können, weil wir sie uns auf der Ebene unseres Mensch-Seins, unserer eigentlichen "Existenz", angeeignet haben. Von Kung-tse, über die fernöstlichen Zen-Meister sowie die indischen Yogis, von Marc Aurel über die christlichen "Wüstenväter", von den osteuropäischen "Chassidim" über die Sufi-Orden des islamischen Kulturkreises, bis hin zum heutigen Dalai Lama — sie alle halten wahre Schätze an Weisheits-Worten für uns Heutige bereit und zur freien Verfügung. Jede Kultur (profaner, philosophischer Aspekt menschlichen Zusammen-Lebens) und jede Religion (theologischer, mystischer Aspekt menschlichen Zusammen-Lebens) brachte solche zeitlos-gültigen Sentenzen hervor. Und dies sowohl auf der "Zeitachse" der "Historie", als der menschlichen Geschichte anhand von "Dokumenten", als auch in geographischer Hinsicht "rund um den Globus". So haben bzw. hatten etwa die Inuit eine andere Kultur und Religion als die untergegangenen Reiche der Azteken und Inkas Mittel- und Südamerikas; diese wiederum eine andere als etwa die Kulturen des sog. "Nahen und Mittleren Ostens"; diese Kulturen und Religionen unterscheiden sich von jenen "im Herzen Afrikas" wie auch von jenen des sog. "Abendlandes" und diese wiederum sahen im sog. "Morgenland" wie auch dem sog. "Fernen Osten" andere Kulturen wie auch andere Religionen. Erst eine bornierte, meist ethnozentristisch aufgelagerte und / oder politisch indoktrinierte, ideologisch eingefärbte Sichtweise machte aus dem Reichtum der anderen Kulturen und Religionen die sog. "hoi barbaroi" ("Barbaren"; sagten antike Griechen über Perser), die "Erzfeinde", die "Bösen", "die Untermenschen", die "Schurken-Staaten", die "Terror-Staaten" als die wesentlich "Anderen".

Es ist m.E. daher gerade heute in der "Epoche des un-überbrückbaren Wider-Streites" (gr. pólemos; heute zumeist: "clash of cultures"; aber auch innerhalb einer Gesellschaft wie die Beispiele von Trump, May, Orbán, Kaczyński, Erdoğan, etc.pp. zeigen) erneut an der Zeit, das Gemeinsame, das positiv uns Verbindende, das menschliche "Band" (Karl Jaspers), das die Brücke zum Anderen zu schlagen vermag, wieder heraus-zu-arbeiten, erneut uns bewusst zu machen, erneut uns selbst zu eigen zu machen. Und es ist schon wieder "höchste Zeit", erneut ein unbefangenes "kindliches Staunen" darüber zu lernen, wie nahe einander diese verschiedenen Kulturen und Religionen doch wesentlich sind — in ihren je eigenen "Wurzeln", in ihren je eigenen Weisheits-Worten, in ihren je eigenen Weisheits-Schriften. Sie alle gleichen "Fenstern" eines Hauses, durch die wir hindurchschauen können auf Wesentliches. Einerseits zwar stets "eigen", und andererseits doch auch einander so nah. Oder wie ein Wink Hölderlins die heutige Welt-Situation umfasst: "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch..." (Patmos-Hymne, Verse 3-4).

Aber selbst dann, wenn das "Welt-Geschick" sich heute besser darstellen würde, ist es für jeden einzelnen Menschen "an der Zeit", sich selbst einmal als "Perlen-Taucher", als "Gold"- bzw. "Diamanten"-Sucher zu versuchen...— Denn wahre Selbst-Erkenntnis vollzieht sich nicht nur als Kartographierung der je eigenen "terra incognita" in uns, sondern darüber-hinaus auch durch die Aneignung der Weisheit und Wahrheit von Anderen. Zwar ist wahres Glück nicht käuflich. Aber mittels der Schriften aus "den Gärten der Geistes-Wissenschaften", die uns als "Früchte" dienen, können wir ein Sinn-volles und erfülltes Leben gestalten. Denn Sinn und (Mensch-)Sein bedingen ontologisch einander. Ich lade Sie daher ein, selbst Teilnehmer/-in wie auch Teil dieses Abenteuers zu werden. Sinn dieses Abenteuers könnte u.a. sein, erneut nicht nur die sog. "Achsenzeit" (Terminus Karl Jaspers) der "philosophia perennis" nachzuzeichnen — also gleichsam den "Zeitstrahl" von ca. 700 v. Chr. bis dato abzuschreiten. Sondern darüber hinaus auch eine Topograhie der Philosophie darzustellen — das heißt, was wurde wann und wo zum "ersten Mal" gedacht und in den "Horizont der Philosophie" als Gedanke, als Schule, als System eingebracht. Etwa indem wir uns eine "philosophische Weltkarte" vorstellen, auf die für jeden besprochenen Text oder Autor ein "Fähnchen" gesteckt würde. So könnten wir veranschaulichen und auch besser begreifen, wie sich die Philosophie durch die Jahrtausende hindurch entfaltete, entwickelte und rund um den Globus verbreitet hat. Und wir könnten — quasi als Gegenentwurf zur heutigen Zeit — erneut verstehen lernen, wie fanatisch-dogmatischer Glaube und borniertes-politisches Hegemonial-Streben jedgliche Kultur und freie Wissenschaft vernichten, während ein selbstsicherer, liberal gestalteter Glaube sowie freiheitlich-demokratische Werte sowohl Kultur als auch jegliche Wissenschaft befördern. Hier schließt sich der gedankliche Kreis zur Situation, in welcher u.a. ein Universalgelehrter wie al-Biruni lebte, arbeitete, philosophierte und starb.

 

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